
Orientierung über den Stand der Arbeiten am Projekt Revitalisierung der Innauen
Wie bereits anlässlich der letzten Gemeindeversammlung vom Dienstag den 18. Dezember 2007 orientiert wurde, befinden sich die Projektierungsarbeiten für die Revitalisierung des Inns seit einigen Monaten in vollem Gange.
Die sich abzeichnende Sanierung der sich zum Teil in sehr schlechtem Zustand befindlichen Inndämme auf unserem Gemeindegebiet bewog den Gemeindevorstand, über einen Systemwechsel nachzudenken. Sollen die bestehenden Dämme für teures Geld lediglich saniert werden oder sollen stattdessen das Flussgerinne und seine angrenzenden Auen von nationaler Bedeutung revitalisiert und ökologisch aufgewertet werden? Diesbezüglich wurden bereits zwei für das Tal wichtige Projekte in Samedan mit der Flazverlegung und in Zuoz mit der Revitalisierung der Innauen in San Batrumieu durchgeführt.
Der Subventionierungsgrad von 98 % durch Bund und Kanton auf die Projektierungskosten von ca. CHF. 75’000 machte es dem Gemeindevorstand umso leichter, das Projekt in Angriff zu nehmen.
Im Frühjahr 2007 wurde die Ingenieurgemeinschaft bestehend aus den Firmen Eichenberger Revital, Ing. Büro Hunziker und Zarn und das Büro Ecovert vom Gemeindevorstand Bever beauftragt, eine Projektstudie für eine Revitalisierung des Inns auf unserem Gemeindegebiet zu verfassen.
Zwischen Juli und Oktober 2007 wurden die Projektgrundlagen wie Hochwassersicherheit, Geschiebetransport, Ökologie, Nutzung, betroffene Personen, Geschichte, Topografie und weitere technische Vorabklärungen durch die Ing. Gemeinschaft erarbeitet.
In dieser Zeit wurde auch vereinbart, dass ein Projektbegleitungsteam zusammengestellt werden sollte, dass die verschiedenen kantonalen Amtsstellen sowie Kommunale- und anderen Interessenvertretern zusammenfasst.
Mitglieder des Projektbegleitungsteams sind;
- Rolf Eichenberger Vertreter Ing. Gemeinschaft
- Josef Hartmann Amt für Natur und Umwelt, Chur
- Giachem Bott Amt für Wald Südbünden, Zuoz
- Reto Gritti Amt für Jagd und Fischerei, St. Moritz
- David Jenny Biologe und Vertreter der Vogelwarte Sempach, Filiale Zuoz
- Christian Geiger Geschäftsführer Pro Natura Graubünden, Chur
- Linard Ruffner Vertreter Landwirte Bever
- Fadri Guidon Umwelt- und Naturwissenschafter, Bever
- Jost Falett Mittelschullehrer und Biologe, Bever
- Adriano Levy Vertreter Gemeindevorstand Bever
Inzwischen haben zwei Sitzungen mit dem Projektbegleitungsteam stattgefunden. Bei beiden Sitzung ging es insbesondere um die Bestandesaufnahme.
An der ersten Sitzung vom 26. Oktober 2007 wurde das Projektbegleitungsteam über die Geschichte des Inns in den letzten zwei Jahrhunderten informiert. Herr R. Eichenberger hat diverse alte Planunterlagen beschaffen können, mit denen er die Entwicklung der Hochwasserschutzmassnahmen im Bereiche des Inns bei Bever aufzeigte.
Herr Hartmann vom Amt für Natur und Umwelt gab einen Einblick in die Besonderheiten der Flora (Pflanzenwelt) im betroffenen Gebiet. Dabei konnte er den hiesigen Landwirten ein Kränzlein winden, weil er auf dem grössten Teil des von ihm untersuchten Gebietes, welches auch zum Weidegebiet der Beverser Landwirte gehört, eine erstaunliche Artenvielfalt auffinden konnte. Dies lässt auf eine optimale, nicht zu intensive Beweidung schliessen.
Anlässlich der ersten Sitzung des Projektbegleitungteams musste jedoch festgestellt werden, dass betreffend Ornithologie innerhalb der Arbeitsgruppe ein Defizit bestand. Deshalb waren wir froh, dass wir für die zweite Sitzung vom 23. November 2007 Herr Dr. David Jenny aus Zuoz, als Vertreter der Schweizerischen Vogelwarte Sempach, einladen durften. Die Avifauna (Vogelwelt) und deren Lebensräume bildeten an der zweiten Sitzung somit den Schwerpunkt. Herr Jenny berichtete über die aktuellsten Zählungen und Sichtungen von Vögeln im Einzugsgebiet des Inns bei Bever.
Diese Seitengewässer zählen für verschiedenste Wasservögel zu den wertvollsten Brutgewässer im Oberengadin. Diverse Wasservogelpopulationen haben das Engadin in den letzten Jahrzehnten vom Gravatschasee aus besiedelt. Auch die restlichen Seitengewässer gelten als sehr wertvolle Einstandsgebiete für Durchzüger und Wintergäste. Das Gebiet muss somit auch betreffend Avifauna als sehr wertvoll bezeichnet werden.
Im weiteren orientierte Herr Reto Gritti als Hauptfischereiaufseher im Oberengadin über die Fischbestände im Inn und seinen Seitengewässer. Hier wurden folgende ökologische Schwachstellen sichtbar: Der Inn gilt als kanalisiert und es fehlen Rückzugsmöglichkeiten für die Fischpopulation. Die Vernetzung der Seitengewässer mit dem Inn sind nur beschränkt oder überhaupt nicht vorhanden. Gute Laichplätze zur Sicherung des Fortbestandes der Fische fehlen. Die links- wie auch die rechtsseitigen Fliessgewässer weisen nur wenig Dynamik auf, was zu Verlandungen führt und den Fischzug zusätzlich stört oder verunmöglicht.
Nun ist das Projektbegleitungsteam gefordert. Es erarbeitet in den nächsten zwei bis drei Sitzungen zwischen Januar und März 2008 unter Berücksichtigung der vorhandenen Grundlagen verschiedene Lösungsvorschläge. Die Ingenieurgemeinschaft wird sodann die erarbeiteten Vorschläge bis im Juli 2008 zu einem Projekt zusammenfassen.
Das Projekt sollte somit bis August 2008 vorliegen und der Bevölkerung vorgestellt werden.
Das Projektbegleitungsteam möchte Sie mittels regelmässiger Informationen in der Dorfzeitung Las Agnas aber insbesondere auch im Internet unter der Adresse www.bever.ch ab Mitte Januar 2008 informieren. Wir möchten Sie ganz herzlich dazu einladen, regelmässig im Internet vorbeizuschauen. Auf diese Weise wird es Ihnen möglich sein, sich aus erster Hand zum Projekt der Revitalisierung der Innauen bei Bever zu informieren und laufend Zusatzinformationen zu erhalten.
Für das Projektbegleitungsteam; Adriano Levy
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